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publikation auf frauenweb.at
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Wie ein Kaktus in der Wüste - Lebenszeichen einer feministischen Technikforschung
DI Brigitte Ratzer, Gabriele Mraz
Erschienen in: Barbara Hey (Hg.). Stand und Potential feministischer Forschung an Österreichs Universitäten, Wien : Bundesministerium für Wiss. u. Forschung [u.a.], 1999
Vorwort:
Ein wesentliches Merkmal feministischer Vernetzungskultur ist der Versuch von Frauen, eine Aufhebung der Grenzen der einzelnen Fachgebiete zu erreichen. Interdisziplinarität zeigt sich u.a. bei Fachkongressen in der Einbeziehung von Themenfeldern wie Ökologie uvm., oder durch das gezielte Ansprechen von Frauen aus Handwerk und Industrie. So können Vernetzungsmöglichkeiten für Frauen in den Ingenieurswissenschaften geschaffen werden, die das Gemeinsame - z.B. die Situation einer Frau in klassischen Männerdomänen - vor das Trennende -die engen Fachgrenzen - stellen.
Theoretische Grundlagen der feministischen Naturwissenschafts- und Technikkritik
Der Begriff "Technik1", wie er heute im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet wird, läßt sich definieren als: Maschinen und Geräte, deren Herstellung und deren Verwendung. Die ursprüngliche Bedeutung des griechischen techne ( ="sich auf etwas verstehen") war umfassender, es zählten auch Begriffe wie Rhetorik, Poetik oder Arithmetik zu den Techniken. Rhetorikerin war demzufolge eine, die die Technik der Rede beherrschte. Ein echter Bedeutungswandel des Begriffs erfolgte ab dem 18. Jhdt. Technik ist seit damals sachbezogener, intensiv wurde um eine "Objektivierung der Technik" gerungen. Aufzeichnungen technischer Verfahren zergliederten diese in immer mehr Einzelschritte und machten sie damit für eine Automatisierung erfaßbar. Dadurch verlor das umfassende handwerkliche Können der Einzelnen an Bedeutung, Menschen können durch Maschinen ersetzt werden. Lassen sich Menschen durch Geräte ersetzen, verlieren soziale Innovationen an Bedeutung. Mit diesem Bedeutungswandel ging der Ausschluß von Frauen aus der Technik einher. Dies in zweifacher Weise. Zum Einen fallen bei der Umdefinition des Wortes Technik alle "typisch weiblichen" Tätigkeiten heraus. "Alltägliche" Verrichtungen wie etwa Kochen oder Handarbeiten sind nun keine Techniken mehr, ebensowenig die Erziehung von Kindern. Überall dort, mit anderen Worten, wo Frauen kreativ und erfinderisch tätig waren und sind, sprechen wir heute nicht mehr von Technik. Zum Anderen ergibt sich der aktive Ausschluß von Frauen aus der Technik als Konsequenz der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, die den Grundstein männlicher Vorherrschaft in der Technik gelegt hat. Männliche Arbeiter (und ihre Gewerkschaften) haben sich gegen den Eintritt von Frauen in ihre Berufsfelder aktiv gewehrt. Frauen wurden in unqualifizierte Berufe gedrängt und umgekehrt werden solche Berufe bis heute als unqualifiziert angesehen. So entstand eine maskuline Technikkultur. Die kulturelle Verbindung zwischen Männlichkeit und Technik kann historisch bestimmt werden. Indem Männer über die Kontrolle der wichtigsten Technologien verfügen, bleiben Frauen die praktischen Erfahrungen versagt, von denen Erfindungsreichtum abhängt. Eine neue Technik entsteht nicht aus einer plötzlichen Eingebung, sondern aus Elementen vorhandener Technik, d.h. aus dem praktischen Umgang mit Technik in Arbeit oder Freizeit. Dort wo Frauen tätig waren und sind, fand eine Umdefinition des Wortes Technik statt, der Kreis schließt sich.2
Die feministische Technikdebatte3 hat sich im Verlauf ihrer 20jährigen Geschichte kontinuierlich weiterentwickelt. Sie hat immer wieder Impulse für die verschiedenen Fachgebiete und Bereiche wie Wissenschaftsforschung, Wissenschaftssoziologie usw. gegeben4. Der Verlauf der Diskussionen läßt sich in drei Phasen unterteilen.
Geschichte
Naheliegender Ausgangspunkt war das auffälligen Fehlen von Frauen in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik. Biographien von Wissenschaftlerinnen wurden rekonstruiert, um Frauen sichtbar zu machen und Vorbilder für künftige Generationen zu schaffen5,6,7. Dazu kam der radikalere Ansatz, daß die Definition von Technik als männlicher Tätigkeit den Blick auf von Frauen entwickelte Techniken verstellt, einfache, von Frauen entwickelte Geräte - und seien sie auch von immenser kultureller Bedeutung wie z.B. das Nuckelfläschchen8 - werden nicht als "richtige" Technik anerkannt.
Institutionen
Die Mechanismen, die den Zugang von Frauen zu den einschlägigen Berufsfeldern behinderten, blieben zunächst unhinterfragt. Erst in der zweiten Phase der Auseinandersetzung rückte die gesellschaftliche Arbeitsteilung ins Zentrum der Aufmerksamkeit9. Damit standen das Aufbrechen bestehender Machtstrukturen und die Institutionalisierung von Frauenförderplänen zur Diskussion. In Österreich trat 1993 das Bundesgleichbehandlungsgesetz für den Bundesdienst in Kraft, das die Grundlage für strukturelle Maßnahmen bietet, Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und die tatsächliche Unterrepräsentation von Frauen zu beseitigen. 1995 trat der Frauenförderungsplan für Universitäten in Kraft10.
Wissenschaftsinhalte
Grundsätzliches
Mit dem verstärkten Eindringen von Frauen in naturwissenschaftliche und technische Bereiche entstanden zu Beginn der 80er Jahre auch inhaltliche Diskurse. Zunächst sogenannte Standpunkttheorien, die sich mit der sozialen Konstruktion von Technologien bzw. den geschlechtsspezifischen Implikationen dieses Ansatzes befaßten11. Zentrale These ist, daß in jeden Entwurf, in jede Konstruktion, jede "Entdeckung" soziale Vorstellungen miteingebaut sind. Interpretationen von Beobachtungen, Experimenten und anderen Daten erfolgen aus einer männlich verfälschten Perspektive. Folglich erzeugt eine fast ausschließlich von Männern dominierte Wissenschaft auch entsprechend geschlechtsspezifisch geprägte Erkenntnisse und Artefakte. Die an diesen Ansatz geknüpften Fragen, ob Frauen andere Naturwissenschaft und Technik machen und ob die Kategorie Geschlecht (=Gender) in Bezug auf naturwissenschaftliche Inhalte eine brauchbare Unterteilung bietet, führten in der Folge zu sehr kontrovers geführten Diskussionen. Es kam zu einer Ausdifferenzierung der feministischen Ansätze, die nun nicht mehr zu einer einheitlichen feministischen Wissenschafts- und Technikkritik zusammengefaßt werden können12. Zwei einander entgegengesetzte "Hauptströmungen" lassen sich erkennen. Sehr verkürzt können wir die Debatte so auffassen, daß an deren einem Ende die Forderung nach aktiver Mit-, Neu- und Umgestaltung von Technologien im Sinne feministischer Vorstellungen gestellt wird und Frauen dazu ermutigen werden sollen, optimistische Utopien einer hochtechnologisierten aber trotzdem "besseren" Welt zu entwerfen13. Am anderen Ende findet sich die im Bezug auf moderne Technologien und deren Potential pessimistische Einschätzung von Feministinnen, die eine Rückbesinnung auf ökologischere Lebensformen und subsidiäre Prinzipien fordern. Frauen, als der der Natur näherstehendere, spirituell begabtere Teil unserer Gesellschaften, sollen diese Prinzipien vermitteln14. So setzt sich die -nicht nur unter Frauen geführte - Diskussion, ob gesellschaftliche Veränderungen besser innerhalb bestehender Institutionen oder nur von außen geschehen können, auch hier fort. Einen guten Überblick über die unterschiedlichen Standpunkte und Diskussionen bieten etwa Judy Wajcman15 oder Ulrike Felt16.
Fachliches
Neben dem Ringen um Grundlagen feministischer Naturwissenschafts- und Technikkritik hat sich in einer Reihe von Einzeldisziplinen ein feministischer Fachdiskurs etabliert. In dessen Zentrum steht die Bewertung der Ergebnisse, Methoden und Fragestellungen der Einzelwissenschaften aus Frauensicht. Daraus ergeben sich sowohl konkrete Kritikpunkte als auch alternative Ansätze. Generell läßt sich sagen, daß sogenannte weiche Wissenschaften wie etwa Biologie, Architektur oder Informatik sich als Fundgrube patriarchal geprägter Denkmuster und Deutungen erwiesen. Aufgrund patriarchalen Sehens und Denkens sachlich verzerrte und/oder falsche Ergebnisse der modernen Naturforschung17 stehen hier im Brennpunkt feministischer Kritik. Etwas anders sieht die Situation auch heute noch in den klassischen Ingenieurswissenschaften wie Maschinenbau, Elektrotechnik oder Bauingenieurswesen aus. Hier sind meist nicht die fachlichen Grundlagen (etwa Statik, Konstruktionslehre u.ä.) Gegenstand der Debatten, sondern die in diesen Bereichen erzeugten Alltagsprodukte und deren Auswirkungen auf Frauen in unserer Gesellschaft. "Frauen als Betroffene", als Konsumentinnen von Lebensmitteln, Käuferinnen und Trägerinnen von Kleidung, (...)als Nutzerinnen von Wohnungen, von Haushaltstechnik und von technischen Transportmitteln(...)18, nahmen die entsprechenden Erfahrungen zum Ansatz- oder Ausgangspunkt feministischer Kritik. So wurde anhand der Haushaltstechnologien aufgezeigt, in welchem Maße die von Männern entworfenen Technologien Geschlechterrollen weiter festschreiben und statt zu einer Erleichterung von Hausarbeit zu deren Vermehrung beitragen19,20. Auch der Bereich Arbeitsplatz-Technologien bietet ein nach wie vor aktuelles Feld für feministische Ansätze, etwa die zahlreichen Computer-Frauenarbeitsplätze in Büros21.
Wie kommt die Diskussion nach Österreich?
Kongresse
Maßgebend für die Fortführung der Diskussionen und das Setzen neuer Impulse sind immer wieder Frauenkongresse. "Der" Kongreß von Frauen in Naturwissenschaft und Technik hat bereits Geschichte. Aus dem gesamten deutschen Bundesgebiet trafen sich zum ersten Mal 1977 in Aachen Naturwissenschaftlerinnen, Technikerinnen und Gesellinnen aus Handwerk und Industrie, um über ihre Situation als Frauen in traditionell männerdominierten Arbeitsbereichen zu diskutieren. Das Treffen wurde jährlich in verschiedenen Städten fortgesetzt. Die Teilnehmerinnenzahl stieg in den letzten Jahren auf 500 - 700 Teilnehmerinnen an. Sie kommen aus allen technischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen, arbeiten in Industrie, Verwaltung, selbstverwalteten Büros, sind zur Zeit ohne Arbeit oder studieren an Universitäten und Fachhochschulen. Auf den vergangenen 22 Kongressen haben sich folgende Themen etabliert:
- Persönlicher und fachlicher Erfahrungsaustausch
- Arbeit, Konkurrenz und Karriere
- Lehren und Lernen, Mädchen- und Frauenbildung
- Ansätze und Weiterentwicklung einer feministischen Wissenschaftskritik & -theorie
- Kritische Auseinandersetzung mit der Technologieentwicklung und -politik
- Geschichte von Frauen in Naturwissenschaft und Technik
- Lesben in Naturwissenschaft und Technik
- Situation von Frauen in Handwerk, Industrie und Hochschule, Frauenförderung
- Vorstellung von Frauenprojekten
Der Erfahrungsaustausch ermöglichte die Bildung von überregionalen Arbeitsgruppen, Netzwerken und Vereinen. So enstanden auf früheren Kongressen z.B. der deutsche ingenieurinnen bund (dib), der Verein von Frauen in Naturwissenschaft und Technik (NuT e.V.) und die Koryphäe (Medium für feministische Naturwissenschaft und Technik)22. Darüberhinaus bietet der Kongreß Fraueninitiativen aus dem jeweiligen Veranstaltungsort die Möglichkeit, sich zu präsentieren und ihre Arbeit vorzustellen.
Ein eigener Kongreß in Österreich?
Zu den jährlich in Deutschland stattfindenden Kongressen reis(t)en regelmäßig auch Frauen aus Österreich. Mit Beginn der 90er Jahre entstand das Bedürfnis, "so etwas" auch einmal in Österreich zu probieren. Es bildete sich eine Vorbereitungsgruppe, die über 2 Jahre kontinuierlich mit der Organisation des Kongresses "Frauen in Naturwissenschaft, Technik, Handwerk und Medizin" befaßt war. Der Kongreß fand im November 1993 in Wien statt und war österreichweit der erste, welcher die Idee der interdisziplinären feministischen Betrachtung von Naturwissenschaft und Technik in den Vordergrund stellte. An die 250 Frauen besuchten als Teilnehmerinnen, Referentinnen und Künstlerinnen die Veranstaltungen. Es wurden 50 Vorträge, Arbeitskreise und Workshops angeboten, zusätzlich gab es ein kulturelles Rahmenprogramm.23 Dieser Kongreß sollte bis heute der einzige Versuch der Etablierung eines innerösterreichischen Diskurses feministischer Inhalte in einem solchen Rahmen bleiben.
Grundidee des Kongresses war, von nun an jährlich oder zumindest regelmäßig einen eigenen Frauenkongreß für Frauen in Naturwissenschaft, Technik, Handwerk und Medizin in Österreich zu veranstalten. Im Rückblick scheint es, als ob die selbstgesetzten Ansprüche der Vorbereitungsgruppe vielleicht zu hoch gegriffen waren. Autonomie in jeder Hinsicht war ein zentraler Anspruch, so wurde beispielsweise - nach langen, sehr kontroversiell geführten Diskussionen - darauf verzichtet, Frauen über Arbeitsmarktförderungen befristet anzustellen. Ein Anspruch war die Vorbereitung eines "etwas anderen" Kongresses, der sich inhaltlich und organisatorisch von herkömmlichen Fachveranstaltungen abhob. Dies sowohl in Hinblick auf die Aufhebung der Grenzen der einzelnen Fachgebiete, als auch was die Durchführung der Veranstaltung , die Einbeziehung der Besucherinnen und die Gestaltung des Rahmenprogrammes betraf. Damit nicht genug, die Vorbereitungsgruppe selbst unterwarf sich auch besonderen Ansprüchen was den persönlichen Umgang, den Umgang mit Konflikten und die Arbeitsteilung betraf. Eine Darstellung der Probleme in der Kongreßvorbereitung findet sich bei Seibert (1993)24. Mit eher ernüchternden Erfahrungen endet so die Geschichte österreichischer Naturwissenschafterinnen- und Technikerinnenkongresse.
Zur Situation an den Technischen Universitäten
Die schlechte Nachricht zuerst
Innerhalb Österreichs gibt es, was die Ingenieurswissenschaften betrifft, praktisch keine Impulse für feministische Diskussionen. Zurückzuführen ist das zunächst auf das beinahe völlige Fehlen von Frauen in entsprechenden Positionen innerhalb der Universitäten. Studentinnen in Studienrichtungen wie Bauingenieurwesen, Elektrotechnik und Maschinenbau sind auf Eigeninitiative und eigenes Engagement angewiesen. An den Universitäten fehlt es an einschlägigen, spezifischen Lehrveranstaltungsangeboten und an Betreuungsmöglichkeiten für feministische Diplomarbeiten. Sowohl an der TU-Wien als auch an der TU-Graz werden zwar allgemeine feministische Überblicksvorlesungen bzw. Ringvorlesungen angeboten, diese sind aber inhaltlich und organisatorisch klar vom Hauptstudium der Studentinnen abgegrenzt. So hat der Besuch solcher Lehrveranstaltungen von vorne herein den Status eines persönlichen Luxus, der sich im besten Fall als 2-stündiges Freifach innerhalb des Studiums verwerten läßt.
Die Frauenreferate der HochschülerInnenschaft (ÖH) bieten Studentinnen aller Studienrichtungen Möglichkeiten zu Austausch und inhaltlicher Arbeit25. An den Technischen Universitäten stellt somit die ÖH, die eigentlich eine öffentlich-rechtliche Körperschaft und Standesvertretung ist, oft die einzige Anlaufstelle für feministische Anliegen zur Verfügung.
Lichtstreifen am universitären Horizont?
Wien und Graz im Überblick
Die Ausgangssituation für feministische Forschung und Lehre in Form statistischer Daten: An den beiden Technischen Universitäten (Wien und Graz) sind 3 ordentliche Professorinnen (bei 198 Ordinariaten) und 2 außerordentliche Professorinnen (bei insgesamt 82 a.o.Professuren) tätig. Der Frauenanteil beim Mittelbau beträgt in den Studienrichtungen der TU´s durchschnittlich 11,5%.26 Es ist gerade in dieser Situation deutlich zu beobachten, wie einzelne Frauen innerhalb der Institutionen zu Kristallisationspunkten für feministische Arbeiten und Diskussionen werden.
An der TU Wien ist von a.o. Prof. Ina Wagner am Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung ein deutlicher Impuls für feministische Forschungs-Schwerpunkte ausgegangen. An diesem zur Fachgruppe Informatik gehörenden Institut werden zur Zeit vier unterschiedliche, frauenspezifische Vorlesungen angeboten (an der ganzen übrigen TU eine Vorlesung und ein Seminar!, siehe Anhang) und es wurden in den letzten Jahren immerhin 3 einschlägige Diplomarbeiten betreut.27 (Zum Vergleich: es sind dies nach unserem Wissen die einzigen feministisch orientierten Diplomarbeiten, die je an der TU Wien gemacht wurden!).
Die neuberufene o. Prof. Sabine Seidler, Institut für Werkstoffkunde und Materialprüfung an der Fakultät für Maschinenbau, ist erst seit 2 Semestern an der TU-Wien tätig. Es ist daher noch nicht sichtbar, in welcher Weise das Vorhandensein einer Professorin Auswirkungen auf Maschinenbau-Studentinnen (Frauenanteil bei den Studierenden an der Maschinenbau-Fakultät: 3,6%, oder in absoluten Zahlen 69 Studentinnen unter 1841 männlichen Kollegen.28) hat.
Besonders erfreulich ist, daß anläßlich des - in der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkten - Jubiläums im Jahr 1994 "75 Jahre Frauen an den technischen Hochschulen", ein Band Zur Geschichte des Frauenstudiums in Österreich am Beispiel der TU-Wien erschienen ist29. Ein Großteil des Buches ist allerdings der Situation von Frauen vor der offiziellen Zulassung als ordentliche Hörerinnen bzw. der Situation an den technischen Hochschulen bis 1945 gewidmet. (260 Seiten behandeln die Jahre bis 1945, nur rund 60 Seiten die Zeit danach.) Im Zeitraum nach 1945 wird nur auf die Situation der Informatikerinnen gesondert eingegangen30.
In Graz unterstützt seit Jahren die kontinuierliche Arbeit von Dr. Christine Wächter (sie ist Mitarbeiterin des Interdisziplinären Forschungszentrums für Technik, Arbeit und Kultur (IFF/IFZ)) das Angebot an feministischen Aktivitäten und Inhalten an der TU-Graz. So gibt es sowohl Kontinuität bei den Schülerinnenprogrammen, als auch regelmäßige Ringlehrveranstaltungen und Vortragsreihen.
Feministische Lehrveranstaltungen an der TU-Wien
Voglmayr Irmtraud: "Frauen im Netz",VO.
Frauen sind in der digitalen Welt stark unterrepräsentiert. Doch während der Cyberspace von Cyberfeministinnen als neuer "weiblicher Raum" bezeichnet wird, sehen andere Netztheoretikerinnen im neuen Medium vor allem Geschlechterklischees und Stereotypen. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich diese LVA intensiver mit unterschiedlichen Ansätzen, die sich mit diesen Themenkomplexen und Phänomenen auseinandersetzen. Sadie Plants Frauen als prädestinierte Protagonistinnen des dezentralisierten Cyberspace, Rosi Braidottis Diskurse über Monster und ihre Beziehung zum weiblichen Körper, der Natur- und Arbeitsbegriff bei Donna Haraway, Dale Spenders Ansatz von der Frau, die von "außen" einen Zugang zur Technik entwickelt sowie eine Einführung in den Cyberfeminismus: der Cyberspace als neuer "weiblicher Raum", sind die Grundlagen für inhaltliche Auseinandersetzungen mit den verschiedenen Strömungen.
Hanappi Egger Edeltraud: "Techno-Feminismus: eine neue Chance?", VO.
Es erfolgt zunächst ein Überblick über die verschiedenen Feminismus-Theorien der letzten hundert Jahre, sowie die Einführung der Unterscheidung zwischen biologischem und sozialen Geschlecht (Gender/Sex-Differenzierung). Die Hauptstränge feministischer Naturwissenschafts- und Technikkritik runden den theoretischen Teil ab. Am Fallbeispiel Arbeitsmarkt können InformatikerInnen dann die Möglichkeiten der sozialen Gestaltung erlernen (anhand unterschiedlicher Möglichkeiten der User-Beteiligung, Demokratisierung etc.). Die geschlechtsspezifische Verwendung von Zeit ist der zweite praxisnahe Ausgangspunkt, um den eigenen Spielraum beim Entwerfen von Software erlebbar zu machen und zu unorthodoxen Gedanken über die Auswirkungen des eigenen Handelns anzuregen.
Ratzer Brigitte: "Frauen in Naturwissenschaft und Technik", VO.
In der LVA werden anhand ausgewählter Texte zunächst die Biographien von berühmten und weniger berühmten Frauen in Naturwissenschaft und Technik erarbeitet. Beispielhaft werden die Vielfalt der Zugänge
und Arbeitsweisen von Frauen gezeigt. Die Biographien der Teilnehmerinnen werden in diese Diskussion mit einbezogen. Ziel dieses ersten Blocks ist eine Auseinandersetzung mit den vielen unterschiedlichen Möglichkeiten und bestehenden Vorbildern für Frauen, genauso wie mit den Hindernissen und Benachteiligungen31.
In einem Zweiten Block findet eine Auseinandersetzung mit den Inhalten von Naturwissenschaft und Technik statt. Eine Einführung in die Theorie der sozialen Konstruktion von Technik soll aufzeigen, in welchem Maße außertechnische Inhalte in die Arbeit von Technikerinnen einfließen und damit auch das Ergebnis determinieren.
Die weiteren Lehrveranstaltungen32 sind:
Birbaumer Andrea: "Zwischen Karriere und Barriere: Frauenarbeit und Technik", VO.
Georgeacopol Ute: "Frauen in der Geschichte des Bauens", SE.
Tellioglu Hilda: "Frauen und Computertechnologie: Zugänge, Perspektiven...",VO.
Tellioglu Hilda "Technische Berufsfelder für Frauen", VO.
In Graz ist alles anders?
Obschon nach 1993 kein deutschsprachiger Frauenkongreß in Österreich abgehalten wurde, war Graz im Juli 1994 Veranstaltungsort für die "Second European Feminist Research Conference", die unter dem Titel "Feminist Perspecitves on Technology, Work and Ecology" stattfand. Zu dieser Konferenz erschien eine umfangreiche Dokumentation33. Dieser Kongreß kann allerdings nicht als Alternative zu Naturwissenschafterinnen- und Technikerinnenkongressen gewertet werden, da ein sehr starkes Übergewicht an sozial- und geisteswissenschaftlich orientierten Frauen vorhanden war. Diese an sich begrüßenswerte Mischung kann dazu führen, daß sprachliche Probleme - die Diskurssprache der Nicht-Technikerinnen ist für die meisten Naturwissenschafterinnen und Technikerinnen kaum verständlich - eher das Unverständnis vergrößerten, als Barrieren abbauen.
Neben diesem "Großereignis" gibt es in Graz seit Jahren verschiedenste Angebote für Schülerinnen und Studentinnen. Seit 1991 findet an der TU Graz jedes Jahr das einwöchige Informationsprogramm "FIT-Frauen in die Technik" statt. Das Projekt informiert Oberstufenschülerinnen über Technikstudien und will bewußtseinsbildend wirken, sodaß technische Bildungswege von und für Frauen selbstverständlich werden.34 Die kontinuierliche Arbeit trägt sichtbare Früchte: Trotz sinkender HörerInnenzahlen an Österreichischen Universitäten stieg im Wintersemester 1997/98 die Zahl der Erstinskribentinnen an der TU-Graz um 34,3% und an der Montanuniversität Leoben um 51,4%. An der TU-Wien, wo es kein FIT-Programm gibt, stieg der Frauenanteils vergleichsweise nur um 11,7%.
Inhaltliche Auseinandersetzungen erfolgen in Graz seit vielen Jahren auch in Form von Ringvorlesungen. Im Sommersemester 1991 wurde erstmals eine Veranstaltungsreihe organisiert und angeboten, die Vorträge, Kurzseminare, eine Lehrveranstaltung und einen Lesekreis beinhaltete35,36 Auch im Studienjahr 1998/99 findet in Graz eine interuniversitäre Seminar- und Vortragsreihe zu "Frauen in Naturwissenschaft und Technik" statt. Die Untertitel sind "Auf den Spuren der Frauen in der Technologischen Zivilisation" im Wintersemester und "Soziale- und Umweltverträgliche Technikgestaltung - Ein Thema für Technikerinnen?" im Sommersemester.
Außeruniversitäres
Tatsächlich wird in Österreich der feministische Technik-Diskurs immer wieder von Studentinnen oder Absolventinnen selbst in Eigeninitiative erarbeitet und weitergetragen. Einige Initiativen:
Arbeitskreis Frauen in Naturwissenschaft und Technik. Bei 14-tätgigen Treffen in Räumen der ÖH werden gemeinsam Texte gelesen und diskutiert. Die Themen umfassen Fragen wie "Sichtbarmachung von Frauen in der Technik", "Gibt es eine wertfreie Wissenschaft?", und konkrete Beispiele (Internet, Gen- und Reproduktionstechnologien etc.)37. Zur Zeit wird über die Möglichkeiten diskutiert, gemeinsam einen Frauenkongreß in Österreich zu veranstalten.
Feministischer Arbeitskreis für Architektur-, Landschaftsplanungs-, Raumplanungsstudentinnen und alle anderen Planerinnen. Personell und organisatorisch ebenso im Umfeld der ÖH angesiedelt, befassen sich die Planerinnen mit ihrem Planungsverständnis, feministischen Theorien zu dem Thema, und der Erstellung eigener Studienprojekte. Weiters sind Exkursionen zu realisierten Projekten und eine Verstärkung interdisziplinärer Zusammenarbeit geplant38.
Frauenstammtisch: Bei einem Workshop "Frauen und Naturwissenschaft, Technik, Ökologie und Handwerk " im Rahmen des 1. Österreichischen Frauenparlaments, das am 8. März 1997 stattfand, entstand der Wunsch der Teilnehmerinnen nach Vernetzung und weiteren Treffen. Es wurden regelmäßige Treffen vereinbart, die einmal im Monat stattfinden sollten. Die sehr heterogene Gruppe (sowohl was Alter als auch Ausbildung der Frauen betraf) hatte allerdings Schwierigkeiten, gemeinsame Vorstellungen über Inhalte und Ansprüche des Stammtisches zu finden. Das erste und einzige Projekt blieb die Gestaltung einer Gastredaktion in der feministischen Zeitschrift Koryphae39. Der Stammtisch löste sich im Herbst 1998 auf.
Der Verein FINET (Frauen-Informationsnetzwerk Elektrotechnik) wurde vor etwa 4 Jahren auf Initiative von Wiener Elektrotechnik-Studentinnen gegründet, um einen langfristigen Kontakt zwischen in der "Industrie" arbeitendenden Frauen und Studentinnen zu halten, im Sinne einer Lobby. Dazu eine Vereinsfrau: Von Anfang an gab es Spannungen zwischen Feministinnen und Frauen, die glauben, "daß eh alles in Ordnung ist". Der große Aufwand, der mit der Organisation inhaltlicher Veranstaltungen oder eines Programmes verbunden ist, ist ein Problem. Zugleich besteht die Einschätzung, daß es ungünstig war, nur Elektrotechnikerinnen in diesem Rahmen zu organisieren, und nicht alle an der TU studierenden Frauen miteinzubeziehen40.
Das Rosa Luxemburg Institut ist ein interdisziplinäres (Frauen-)Forschungsinstitut, das theoretische und empirische Beiträge im Frauen-Interesse erarbeitet, Informationsnetze verstärkt, Beratungsdienste anbietet, Gutachten zu bestimmten Fragen erstellet, Referentinnen vermitteln, in die Öffentlichkeit wirken und allgemein praxisorientiert arbeiten will. Zu Geschichte und Anliegen des Instituts siehe Maurer (1994).
Als Beispiel für autonom erarbeitete feministische Beiträge sei die Auseinandersetzung von Petra Seibert mit ihrem eigenen Fach - Meteorologie - genannt41, der Beitrag von Petra Tamm zu Naturwissenschaft und Geschlechterrolle42 und die gemeinsam von beiden erstellte feministische Pluspunkt-Liste43.
Projekte zur Förderung von Mädchen und Frauen in Technik, Handwerk und Naturwissenschaften
Seit den 80er-Jahren gibt es in Österreich feministische Frauenprojekte, die sich um Mädchen und ihre Ausbildung bemühen. Ein Schwerpunkt dieser Projekte ist es, Mädchen und Frauen nicht-traditionelle Berufe näherzubringen und ihnen den Einstieg dorthin zu erleichtern. In diese Gruppe fallen technische, handwerkliche und naturwissenschaftliche Berufe, seien es Lehrberufe, weiterbildende höhere Schulen, berufsbegleitende Lehrgänge oder Ausbildungen an einer Fachhochschule oder Universität.
Die Mädchenprojekte sind sozusagen eine Form der "Praxis" zur feministischen Technik- und Naturwissenschaftsdebatte.
Allgemein kann frau sagen, daß Forschung in diesen Projekten zu kurz kommt - nicht aus mangelndem Interesse der Projektfrauen, sondern aus strukturellen Gründen, also unzureichender Finanzierung und unakzeptablen Auflagen. Die einzig mögliche Form von Forschung ist meist die Durchführung einer Diplomarbeit, oft von einer (ehemaligen oder freien) Projektmitarbeiterin.
Die Mitarbeiterinnen in diesen Projekten haben verschiedene Ausbildungen, sowohl universitäre als auch handwerklich-technische, oder sie kommen aus der Sozialarbeit. Drei Diplomarbeiten wurden im Zusammenhang mit einem Mädchenprojekt geschrieben. Die Verfasserinnen sind eine Lehramtsstudentin (Mathematik-Physik)44, eine Politikwissenschaftlerin45 und eine Soziologin46. Dies zeigt gut wie Frauen- bzw. feministische Forschung in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik interdisziplinär arbeitet.
Der Verein "Sprungbrett für Mädchen" existiert seit 1987. Gegründet wurde das Projekt von zwei engagierten Frauen mit dem Ziel, die Auseinandersetzung von Mädchen mit ihrem Selbstbild, ihren Berufswünschen und ihrer Umwelt zu unterstützen und positiv zu fördern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung von nicht-traditionellen Berufswünschen. Da Berufsplanung für Mädchen eng mit der Lebensplanung verknüpft ist, werden im Sprungbrett Information und Beratung für verschiedene Ebenen des Lebens geboten (neben Betriebsbesichtigungen auch z.B. Sexualberatung).
Als Erweiterung wurde zusätzlich ein Institut für Mädchenbildung und Mädchenforschung gegründet. Ein Produkt dieses Instituts ist die zum 7-jährigen Jubiläum herausgegebene umfangreiche Dokumentation, in der die theoretischen Grundlagen, die Methoden und die Arbeitsweise des Sprungbretts ausführlich vorgestellt werden.47
Da - wie bei allen feministischen Projekten - die Finanzierung sehr schwierig ist - kommt der Bereich Forschung konstant zu kurz. Was zur Zeit an Forschung im Sprungbrett erarbeitet wird, ist nicht als solche finanziert und muß daher nebenbei mitlaufen. Trotzdem versuchen die Mitarbeiterinnen, diesen Bereich nicht ganz versanden zu lassen.
Ein Forschungsprojekt wurde von der Sprungbrettmitarbeiterin und Soziologin Andrea Sanz durchgeführt. Der Verein Sprungbrett vergibt seit drei Jahren jährlich einen Preis, die sogenannte "Amazone", an Betriebe, die sich besonders in der Förderung der Ausbildung von Mädchen in Handwerk und Technik engagieren. In diesem Zusammenhang wurde eine Dokumentation veröffentlicht, die sich mit den Kriterien für die Auswahl solcher Betriebe beschäftigt. Weiters wurden Hypothesen über die Tendenzen im Einstellungsverhalten von Betrieben formuliert, die sich in Gesprächen herauskristallisiert haben.48
Ein weiteres Forschungsprojekt aus dem Umkreis des Sprungbretts ist die Diplomarbeit einer der beiden Gründerinnen, Marianne Roessler.49 Diese Arbeit beschäftigt sich mit "Mädchen im öffentlichen Raum" und mit der Frage, inwieweit feministische Mädchenarbeit ein alternativer Sozialisationsfaktor sein kann. Der empirische Teil der Arbeit ist die Erforschung einer Aktion des Sprungbretts, der "Sommerwoche", die ein Beispiel eines Freiraums - angesiedelt zwischen öffentlich und privat - für Mädchen darstellt. Roessler entwickelt aus ihrer Untersuchung das "Angstlust-Panik-Modell" 50 als Ansatz für feministische Erlebnispädagogik.
In diese Arbeit flossen die Diskurse feministischer Planerinnen in Deutschland ein. Die Ergebnisse der Arbeit wiederum waren eine wichtige Bereicherung des Projekts "Interface - Internationale Jugendkultur und Bildungswerkstatt" des Wiener Integrationsfonds. In diesem Projekt, das seit 1997 im Rahmen der Urban-Förderungen der EU läuft, sollen Räume für Jugendliche (Jugendzentren) geschaffen werden. Der Beitrag Roesslers bestand hier in der Konzeption eines niederschwelligen Mädchenbereichs mit entsprechender Angebotsgestaltung, v.a. für Mädchen aus anderen Kulturkreisen.
Die zweite Begründerin des Sprungbretts, Susanne Matkovits, hat eine Dissertation an der Politikwissenschaft der Uni Wien verfaßt.51 Sie behandelt darin die Frage, ob die nicht-traditionelle Berufswahl von Mädchen und Frauen die Segmentierung des Arbeitsmarktes verändert. Matkovits kommt zu dem Ergebnis, daß dem nicht so ist. Je mehr Frauen in den nicht-traditionellen Bereichen arbeiten, desto mehr sinkt das Ansehen dieser Bereiche und damit der Lohn. In der Dissertation finden sich auch Reflexionen zum Zusammenhang von Frauen, Technik und Macht. Im Jahr 1997 erhielt Matkovits für ihre Arbeit den Maria-Schaumayer-Preis, der für wissenschaftliche Arbeiten erteilt wird, die sich mit Frauen in Führungspositionen beschäftigen (und sie auf ihrem Weg dorthin unterstützen sollen).
Geplant ist im Sprungbrett zur Zeit eine kleine Studie über Mädchen, die bereits in handwerklich-technischen Ausbildungen stehen. Die Fragestellung ist, was diese Mädchen sich von einer Beratungsstelle wünschen, was sie zu Beginn ihrer Ausbildung gebraucht hätten bzw. was sie nun an Unterstützung brauchen.
Sprungbrett-Geschäftsführerin Margret Zimmermann wünscht sich eine Studie über die Frauen, die es geschafft haben, einen nicht-traditionellen Arbeitsplatz zu ergattern - wie gestalten sie nun ihr Leben und wie kommen sie mit dem gewählten Beruf langfristig zurecht?
Der Verein "Sunwork - Frauen in Technik, Handwerk, Ökologie und PR" ist seit Beginn der 90er-Jahre in der feministischen Bildungsarbeit tätig, und zwar in den Bereichen Ökotechnik, Umweltbildung, Ökologie und Sozialmanagement. In dieser Mischung zeigt sich wieder der interdisziplinäre Ansatz, mit dem sich viele Feministinnen der Technik nähern.
Sunwork bietet Kurse und Seminare in den oben erwähnten Bereichen für Mädchen und Frauen an. Im Rahmen des Projekts Elektra in St. Pölten wird weiters eine Ausbildung zur Elektroinstallateurin mit Schwerpunkt Umwelttechnik geplant.
Die Projektfrauen von Sunwork und Elektra wünschen sich eine Begleitforschung zu ihrer Arbeit und haben auch versucht, eine solche vom AMS finanziert zu bekommen. Aufgrund nicht akzeptabler Auflagen scheiterte jedoch der Plan.
Neben Sunwork hat auch das Projekt Matadora in Wien den Schwerpunkt im Bereich Mädchen und Technik.
Forschungsprojekte im Schulbereich
Die freie Sunwork-Mitarbeiterin Sonja Wenig hat eine Diplomarbeit verfaßt, in der es um Mädchenförderung im Physikunterricht am Beispiel erneuerbarer Energien geht.52 In zwei Mädchenklassen einer Wiener Schule (eine davon wird nur im Physikunterricht geschlechtshomogen geführt) hat Wenig zuerst in Interviews den Zugang der Mädchen zu Physik und konkreten Arbeit mit Werkzeugen erhoben. Dann ermöglichte sie den Mädchen zum ersten Mal zu experimentieren, z.B. mit Löten. Die Mädchen durften sich dabei selbst aussuchen, was sie löten wollten. An einem weiteren Werkstatt-Tag haben die Mädchen Solarobjekte gebaut und haben es sehr genossen. Die Lehrerin der Klasse berichtete nach dem Projekt, daß die Mädchen sehr motiviert waren und sich auch weiterhin sehr wißbegierig zeigten. Daß einerseits die freie Wahl beim Löten und andererseits gerade das Thema erneuerbare Energie das Interesse der Mädchen gesteigert hat, ist für Wenig kein Zufall.
Die Lehrerin dieser Klasse - Helga Stadler - ist übrigens selbst Autorin eines Forschungsberichts über Schülerinnen an höheren technischen Lehranstalten.53 Diese Studie beschäftigt sich u.a. mit den Faktoren, die zur Schulwahl geführt haben, aber auch mit den Behinderung, die Schülerinnen an HTLs erfahren (z.B. sexuelle Belästigung). Auch Maßnahmen zur Verringerung der Probleme der Schülerinnen werden in der Studie vorgeschlagen.
Der Verein Efeu (Verein zur Erarbeitung feministischer Erziehungs- und Unterrichtsmethoden) wurde 1984 gegründet und beschäftigt sich u.a. mit geschlechtsspezifischer Sozialisation, Koedukation und Gewalt in der Schule. Die Einführung der Koedukation (1975) hat nicht dazu beigetragen, geschlechtsspezifische Berufsentscheidungen von Mädchen zu verändern. In den letzten Jahren finden vermehrt Schulversuche statt, in denen Mädchen in einigen Unterrichtsgegenständen von Burschen getrennt werden und in geschlechtshomogenen Gruppen unterrichtet werden. Der Verein Efeu evaluiert einige dieser Schulversuche. Eine Evaluation ist bereits abgeschlossen54, zwei sind im Laufen. Ein Schwerpunkt bei einer dieser Evaluationen soll der Naturwissenschafts- und Technikunterricht sein.
Zwei Mitarbeiterinnen des Efeu sind auch als Lektorinnen an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Wien (Mathematik) tätig. Sie halten ein Konversatorium mit dem Titel "Probleme des Mathematikunterrichts - Eine geschlechterdifferenzierende Analyse". 55
Eine Aktion des BMUK ist noch erwähnenswert: An mittleren und höheren Schulen findet zur Zeit die Aktion "Mädchen/Frauen in die Technik" statt.56 Diese Aktion setzt auf die ermutigende Wirkung von Fachfrauen als Vorbilder. Ziel ist es auch hier, den Frauenanteil in technischen Ausbildungen zu erhöhen.
Zusammenfassung:
Um Stand und Potentiale feministischer Forschung ist es in den Ingenieurswissenschaften in Österreich schlecht bestellt. Nach wie vor ist der Frauenanteil in diesen Studien derart gering, daß der Satz von Felicitas Konecny: "Laßt uns erstmal existieren, bevor ihr uns danach fragt, was wir hier (besser) machen wollen, wie wir hier (anders) arbeiten wollen!"57 nichts an Gültigkeit verloren hat. Wenn wir die Entwicklung feministischer Ansätze in anderen Fachrichtungen betrachten, so befinden sich die Ingenieurswissenschaften nach wie vor in der Stunde Null, nämlich bei der Motivation von Mädchen und Frauen, überhaupt eine Ausbildung in diesem Bereich anzustreben. Aus diesem Grund befaßt sich auch ein Teil unseres Berichtes mit den im Vorfeld der Universitäten angesiedelten Schülerinnenprojekten. Sie leisten zur Zeit den wichtigsten Beitrag für künftige feministische Forschungen in den Ingenieurswissenschaften.
Literatur:
- ANAKONGA (Hg.) Turbulenzen. Eine feministische Kritik an der Techno-Zivilisation. Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1994
- BESENB€CK, Irene; SCHNEIDER, Claudia; URBAN, Egon: Geschlechtssensible Koedukation. Schulverbund Mittelschule Anton Krieger Gasse, Wien XXIII. Studie im Auftrag des BMUK Wien 1997.
- BICAN-ZEHETBAUER, Margarete; MATKOVITS, Susanne; ROESSLER, Marianne: Wer die Wahl hat, quält sich nicht. Sieben Jahre Feministische Mädchenarbeit und Berufsorientierung in Theorie und Praxis. Eigenverlag Verein Sprungbrett, Institut für Mädchenbildung und Mädchenforschung. Wien 1994.
- COWAN, Ruth Schwartz: From Virginia Dare to Virginia Slims: Women and Technology in American Life. Technology and Culture 20 (1), 1979.
- DIEGELMANN, Karin/ HEYMANN, Dagmar/ MOSER, Angelika/ RÖHR, Ulrike; Frauen in technischen Studiengängen - Studium und Berufsperspektiven. Ein Seminarkonzept. Herausgegeben von Frauen in der Technik (FiT e.V.), Schloßgartenstr. 45, D-64289 Darmstadt, 1995.
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- SEIBERT, Petra / MAURER, Margarete; "Die Eltern" oder "der Vater" der Relativitätstheorie? Zum Streit um die Beteiligung von Mileva Maric an der Entstehung der Relativitätstheorie. Wechselwirkung, Nr. 54, S 50-52 (Teil I) und Nr. 55, S 51-53 (Teil II) 1992.
- SEIBERT, Petra: Das "Private" (einer Kongreßvorbereitung) ist politisch! Lesben in... In: Koryphäe, Nr. 14, S. 35, 1993.
- SEIBERT, Petra; Ist die Meteorologie eine feministische Musterwissenschaft? Oder: Warum die Meteorologie doch keine Atmosphärenphysik ist. In: Koryphäe, Nr. 12, S. 43-46, 1992.
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- TAMM, Ester: Naturwissenschaft und Geschlechterrolle. In: Koryphäe, Nr. 12, S. 35-42, 1992.
- W€CHTER, Christine; EBERHART, Tina: Feminist Perspectives on Technology, Work and Ecology, Conference Proceedings, Graz 1994.
- WAGNER, Eva: Technik für Frauen - Arbeitszusammenhang, Alltagserfahrung und Perspektiven der Hausfrauen im Umgang mit technischen Artefakten. München 1991.
- WAJCMAN Judy, MACKENZIE, Donald: The social shaping of technology : how the refrigerator got its hum. Milton Keynes [u.a.] : Open University Press 1988 (1985).
- WAJCMAN Judy; Technik und Geschlecht. Campus Verlag FfM 1996.
- WENIG, Sonja: Interessensförderung durch Handeln am Beispiel erneuerbarer Energien im Physikunterricht. Diplomarbeit an der Physik. Universität Wien 1998. (in der Bibliothek von Sunwork einsehbar)
- WERNHARD, Für meine Tochter wird es selbstverständlich sein. Der Zugang von Frauen zum Internet am Beispiel der Hausfrauenseiten, Diplomarbeit TU Wien, 1998.
Web-Seiten:
http://iguwnext.tuwien.ac.at/~rli/Seiten/natwi/db.htm: Info-Datenbank über Frauen in Naturwissenschaft, Mathematik und Technik.
http://studserv.stud.uni-hannover.de/gruppen/finut97/faltblatt.html#geschichte: Zur Geschichte des Kongresses von Frauen in Naturwissenschaft und Technik.
http://www.bmwf.gv.at/51hsstat/hsstat06.htm: Statistiken zum Österreichischen Universitätswesen.
Adressen:
* Verein "Sprungbrett für Mädchen": 1150 Wien, Pilgerimgasse 22-24/1/6+7, Tel: 789 45 45, Fax: 789 45 45-20
* Verein Sunwork - Frauen in Technik, Ökologie und PR: 1100 Wien, Triester Straße 114/1, Tel: 667 20 13, Fax: 665 93 05-75, email: k_gruber@sunwork.vienna.at (Elektra ist via Sunwork zu erreichen)
* Efeu - Verein zur Erarbeitung feministischer Erziehungs- und Unterrichtmethoden: 1030 Wien, Hetzgasse 42/1, Tel: 715 98 88-17, Fax; 715 98 88-20, email: efeu@t0.or.at
* Matadora - Vorbereitungskurs und Berufsbegleitung für Mädchen in Technik - Handwerk - Ökologie. 1100 Wien, Triester Straße 114/2, Tel: 665 93 06, Fax: 665 93 05-75
* dib: deutsche ingenieurinnen bund (e.V.), Postfach 110 305, D-64218 Darmstadt; e-Mail: dib-ev@t-online.de; http://internetfrauen.w4w.net/projekte/dib
* NuT (e.V.), Frauen in Naturwissenschaft und Technik, Haus der Demokratie, Friedrichstr. 165, D-10117 Berlin, Tel: +49-30-204 44 58.
* Koryphae, Medium für feministische Naturwissenschaft und Technik. Anschrift: Koryphäe e.V., Cloppenburger Straße 35, 26135 Oldenburg, Tel./Fax: + 49-441-2489599.
Brigitte Ratzer:
geboren 1966, Studium der Technischen Chemie TU Wien, seit 1995 externe Lektorin am Institut für Technik und Gesellschaft TU Wien.
Gabriele Mraz:
geboren 1967, Studium der Ernährungswissenschaften Uni Wien, seit 1989 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Österr. Ökologie Institut.
1 Die Begriffe Technik und Technologie werden in diesem Beitrag synonym verwendet.
2 RATZER 1998b.
3 Die Bereiche Naturwissenschaft und Technik werden nicht explizit getrennt behandelt. Dies ist auf die enge Verflechtung beider Bereiche zurückführbar. Heute kann nicht mehr von Technik als angewandter Naturwissenschaft ausgegangen werden (sofern dies jemals der Fall war), umgekehrt sind neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse ohne den Gebrauch von High-Tech Apparaten kaum mehr denkbar. Donna Haraway hat in Beschreibung dieser Verflechtung den Begriff der Techno-Wissenschaft geprägt.
4 FELT et al. 1996: 87.
5 Beispielhaft etwa: FOX KELLER 1983.
6 Wissenschafterinnen-Biographien auf der vom Rosa Luxemburg Institut gestalteten Internetseite http://iguwnext.tuwien.ac.at/~rli/Seiten/natwi/db.htm
7 DIEGELMANN/ HEYMANN/ MOSER/ SANDNER.
8 COWAN 1979: 52.
9 RATZER 1998a.
10 FRANZ 1998.
11 WAJCMAN & MACKENZIE 1985.
12 WAJCMAN 1995: 18ff.
13 HARAWAY 1991 und 1995.
14 MIES/SHIVA 1995.
15 WAJCMAN 1995: 18ff.
16 FELT et al. 1996: 85ff.
17 MAURER 1989: 147.
18 MAURER 1989: 89.
19 MAURER 1989: 145.
20 WAGNER 1991.
21 Siehe dazu A. BIRBAUMER und H. TELLIOGLU in diesem Band.
22 Adressen siehe Anhang.
23 ANAKONGA 1994.
24 SEIBERT 1993: 35.
25 KONECNY 1994: 319ff.
26 http://www.bmwf.gv.at/51hsstat/hsstat06.htm: Statistiken zum Österreichischen Universitätswesen.
27 MESSINGER 1994, WERNHARD 1998, LANZENBERGER 1998.
28 http://www.tuwien.ac.at/: Statistiken der Universitätsdirektion TU-Wien.
29 MIKOLETZKY/ GEORGEACOPOL-WINISCHHOFER/POHL 1997.
30 GARTNER 1998.
31 Seminarkonzept von DIEGELMANN et al 1995.
32 Inhalte der LVAs siehe Lehrzielkatalog http://www.lzk.ac.at/
33 WÄCHTER & EBERHART 1994.
34 FIT 1997/98.
35 KONECNY 1994: 329f.
36 KONECNY et al. 1990.
37 Kontakt: finut@frauenweb.at
38 Kontakt: planerinnen@frauenweb.at
39 Koryphae Nr. 24, Oktober 1998.
40 Kontakt: Manuela Franz, e-Mail: mfranz@e355hp1.tuwien.ac.at
41 SEIBERT 1992: 43f.
42 TAMM 1992: 35f.
43 SEIBET/ TAMM 1992.
44 WENIG 1998.
45 MATKOVITS 1995.
46 ROESSLER 1997.
47 BICAN-ZEHETBAUER et al. 1994.
48 SANZ 1998.
49 ROESSLER 1997.
50 ROESSLER 1997: 159.
51 MATKOVITS 1995.
52 WENIG 1998.
53 STADLER 1997.
54 BESENB€CK et al. 1997.
55 Siehe Beitrag von H. Jungwirth.
56 "MiT - Mädchen/Frauen in die Technik", BMUK 1998.
57 KONECNY 1994: 319.
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